Da ich schon häufig zu spät mit meinen kranken Wellensittichen zum Tierarzt gegangen bin, möchte ich einige Krankheitsgeschichten mit euch teilen. Damit ihr als Heimvogelhalter besser einschätzen könnt, wann und bei welchen Symptomen ihr unbedingt einen vogelkundigen Tierarzt zurate ziehen solltet. Denn ich bin sicher, dass anfangs viele meiner kranken Wellensittiche noch etwas länger gelebt hätten, wenn ich früher erkannt hätte, dass die Vögel schwer krank sind.
Was ich von meinen Todes-
fällen gelernt habe
Ich gehe chronologisch vor. Denn das einzig Gute, was ich über die Todesfälle sagen kann ist, dass ich mit jedem Krankheitsfall mehr dazu gelernt habe. Die letzten Todesfälle, die ich an den Anfang gestellt habe, sind ausführlicher beschrieben.
Leider sind die kleinen Vögel Meister darin Krankheiten zu verstecken. So werden viele Krankheiten verschleppt. Erschwerend kommt hinzu, dass die Wellensittiche bei Tierärzten als symptomarm gelten. Was so viel bedeutet wie, dass für eine geringe Anzahl an Symptomen viele verschiedene Krankheiten verantwortlich sein können.
Vogelkundige Tierärzte gesucht
Außerdem gibt es immer weniger Kleintierärzte oder Praxen, die einen vogelkundigen Tierarzt haben. Zum Glück habe ich die Kleintierpraxis in Alfter gefunden. Denn die nächste Vogelklinik in Düsseldorf wäre für mich und den kleinen Patienten eine lange Fahrt. Auf dieser Homepage könnt ihr eine Liste zu vogelkundigen Tierärzten finden.
Keine Lust auf Lesen? Hier ist mein Youtube-Video mit den wichtigsten Fällen und was ich daraus gelernt habe:
Meine kleinen gefiederten Freunde:
Toffee
Krümmel aus Hessen
Maja
Felix
Lizzie
Moritz
Fee
Lily
Mara
Flo
Benjamin
Muckine
Wolke
Lemon
Bella II.
Krümmel I.
Tommy
Nicky
Mucki III.
Benny
Bella I.
Lara
Laura
George
Nina
Mäxchen
Chris
Mucki
TOFFEE
Der unsichtbare Feind
Toffee eroberte mein Herz im Sturm und avancierte binnen Wochen zu meinem heimlichen Lieblingsvogel. Im Schwarm fand er ironischerweise nie Anschluss und blieb stets der Außenseiter. Vermutlich war er deswegen auch zutraulicher als die anderen beiden Neuzugänge aus Hessen. Seine Zeit bei mir endete leider im letzten Jahr nach einer kurzen, heftigen Krankheit. Eine Infektion mit einem aggressiven Nasenkeim, die nach einer erfolgreichen Behandlung im Sommer wieder aufflammte, kostete den blauen Hahn das Leben.
Anfänglich zeigte Toffee lediglich in den Abendstunden subtile Symptome. Er nieste und hustete leise. Zunächst schob ich das auf die trockene Heizungsluft und ließ ihn inhalieren, was bei meiner Henne Lily, die an Aspergillose litt, auch im Winter geholfen hatte. Doch solche feinen Signale erfordern absolute Aufmerksamkeit und sollten nicht ignoriert werden. Mein Tierarzt nahm umgehend einen Kropf- und Nasenabstrich. Das Labor identifizierte den Erreger präzise, und die Antibiotika-Therapie schlug initial auch an.
Leider kehrte die Infektion Anfang des Winters mit voller Wucht zurück. Der Keim überlebte den medikamentösen Angriff, trotz der täglichen Gabe von einem Tropfen. Ich fütterte Toffee von Hand, reichte Stärkungsmittel für das Herz und ließ ihn inhalieren. Die Bemühungen blieben erfolglos. Die Krankheit zehrte ihn gnadenlos aus, er verlor rasant an Gewicht und besaß am Ende keine Kraft mehr, die Infektion zu besiegen. Toffee wurde leider nur 10 Jahre alt.
Kampf um jedes Gramm
Deswegen ist es so wichtig, möglichst frühzeitig und schon beim ersten Auftreten der Symptome zum Tierarzt zu gehen. Mit ihrem schnellen Stoffwechsel verlieren die Wellensittiche rasant an Gewicht. Mehrere Gramm sind bei den 30 bis 40 Gramm leichten Vögeln schon eine Katastrophe. Wird dann auch noch das falsche Antibiotikum eingesetzt oder schlägt die Behandlung fehl, weil es gar keine Bakterieninfektion ist, sondern der Hefepilz Macrorhabdus ornithogaster oder eine Virusinfektion, verlieren die Vögel wertvolle Zeit.
Wenn das Antibiotikum anschlägt, habe ich das in der Regel schon nach der ersten Behandlung direkt gemerkt. Die Wellis fangen rasch an, wieder zu fressen. Gerade weil sie so viel aufzuholen haben.
Meine Erfahrung: Wenn Wellis das Fressen vortäuschen
Manche Wellensittiche – wie Toffee – betrügen auch. So hat der kleine Vogel nur so getan, als würde er wie ein Scheunendrescher fressen. Aber in Wahrheit hat er gar nichts gefressen. Selbst die Kolbenhirse konnte er am Schluss nicht mehr fressen.
Ihr merkt das recht schnell, wenn ihr das Gewicht kontrolliert. Und erfahrene Vogelhalter sehen es beim Fressen. Denn wenn die Wellis wirklich ihr Körnerfutter fressen, lassen sie die leeren Hülsen oder Spelzen fallen. Tut der Vogel nur so, als würde er fressen, verarbeitet er meist nur diese leeren Hüllen zu „Sägemehl“, indem er die Körnchen mit dem Schnabel bearbeitet.
KRÜMMEL AUS HESSEN
Herz am Limit
Krümmel zog als absoluter Pechvogel bei mir ein. Den Verdacht auf einen Tumor brachte er gleich mit, gepaart mit hartnäckigem Durchfall. Der kleine Hahn agierte von der ersten Minute an extrem nervös und schreckhaft. Als der Kot komplett wässrig wurde, transportierte ich ihn erneut zum Tierarzt. Die Vorhalter aus Hessen hatten ihn kurz zuvor schon gegen den Durchfall behandeln lassen. Wieder erhielt der Welli ein Breitbandantibiotikum, um die Zeit bis zu den Laborergebnissen zu überbrücken.
Anfängerfehler: Den Stress unterschätzen
Zu Hause beging ich einen echten Anfängerfehler. Ich verlor die Geduld. Anstatt zu warten, bis Krümmel den Transportkäfig freiwillig verließ, handhabte ich ihn wie meine alten, tiefenentspannten Schwarmmitglieder. Ich griff in den Käfig, nahm ihn heraus und setzte ihn auf die Stange. Bei meinen Routiniers funktionierte das stets tadellos. Krümmel hingegen quittierte diesen Übergriff mit blanker Panik. Er flog nicht zu seiner Partnerin Easy, sondern kippte auf die Seite und begann zu röcheln. Er erlitt einen Herzanfall. Meine Versuche, ihn zu stützen, scheiterten. Er starb binnen Minuten in meiner Hand.
Mein erster Impuls: Dem Tierarzt die Schuld geben. Eine allergische Reaktion auf die Spritze erschien mir nach dem ersten Schock die einzig logische Erklärung. Die Ärztin holte mich aber umgehend in die Realität zurück. Die Medikamentencharge war einwandfrei und bereits bei anderen Vögeln erfolgreich im Einsatz gewesen. Die harte Wahrheit lautet: Es war die pure Akkumulation von Stress. Die Fahrt, das endlose Warten in der Praxis, die Untersuchung und schließlich mein ungeduldiger Griff in den Käfig haben dem chronisch kranken Wellensittich den Rest gegeben. Sein durch den Tumor und die Sekundärerkrankung ohnehin geschwächtes Herz hielt dieser Belastung schlichtweg nicht stand. Krümmel wurde leider nur 8 Jahre alt. Wie die meisten meiner Wellis.
MAJA
Handicap-Welli Maja
Der gelbe Wellensittich-Hahn ist ein Beispiel dafür, wie schnell ein Unfall in der Nacht zum Tod führen kann. Lutino-Wellensittich Maja kam Anfang des Jahres 2017 zu unserem Schwarm dazu. Wir hatten zuerst gehofft, Maja wäre ein Weibchen, da das Geschlecht bei Vögeln allgemein aber schwer und erst sehr spät zu bestimmen ist, hat uns die Verkäuferin keine Garantie geben können. Schlimmer wog die Tatsache, dass ich unfreiwillig einen Handicap-Welli bekam.
Was sind Spreizbeine?
Leider habe ich erst spät erkannt, dass Maja ein Handicap-Vogel ist. Der kleine Vogel hatte eine Fehlstellung der Beine, die sich Spreizbeine nennt. Am Ende stand sein rechtes Bein regelrecht ab und er konnte nur noch auf dem Bauch liegen.
Meine Erfahrung: Sitzplätze für Handicap-Wellis anpassen
Damit sich keine Druckstellen bilden, habe ich die Holzbrettchen, auf denen Maja lag, mit Stoff gepolstert. Und später bekam er weiche Matten aus Seegras. Diese Sitzplätze aus geflochtenem Gras sind besonders angenehm für Wellensittiche mit Behinderung oder Fußproblemen. So konnte der kleine gelbe Hahn noch am Schwarmleben teilnehmen und musste nicht alleine in der Voliere sitzen.
Ein tödlicher Sturz in der Nacht
Allerdings wurde es zunehmend schwieriger für ihn, beim Fliegen richtig zu landen. Gerade nachts gab es die Gefahr, dass er abstürzte oder im Flug irgendwo gegenprallte. Das muss dann auch in der Nacht passiert sein, bevor ich ihn zum Tierarzt gebracht habe. Denn am Morgen habe ich den kleinen Vogel in einem Teelichthalter gefunden. Zuerst wirkte Maja ganz normal, als ich ihn auf seinen Lieblingsplatz gesetzt hatte. Aber alle zehn Minuten setzte ein Krampfanfall wie bei einem Epileptiker ein. Der arme Vogel zitterte am ganzen Körper, verdrehte Kopf und Flügel.
Der Tierarzt konnte leider nichts mehr für Maja tun. Neben einer Gehirnerschütterung hatte sich der Vogel bei seinem Sturz wohl schwer am Kopf verletzt, so dass sich ein Blutgerinnsel gebildet hat. Einziger Trost: in den Wochen vor seinem Sturz wurde Maja immer wieder von den anderen Vögeln im Schwarm gemobbt. So war sein Tod in gewisser Weise eine Erlösung, weil es immer schwieriger wurde für den Handicap-Wellensittich am Schwarmleben teilzunehmen. Und mit seinen sieben Jahren ist Maja relativ alt geworden für einen Wellensittich mit einer so schweren Behinderung.
FELIX
Akutes Leberversagen
Bei Felix ging es am Ende so schnell, dass ich gar keine Zeit mehr hatte, mit ihm zum Tierarzt zu fahren. Er ist im Juli 2024, nach sieben Jahren von uns gegangen. Weniger überraschend als bei anderen meiner Wellis, denn Felix war chronisch krank.
Wenn der Schnabel immer weiter wächst
Felix musste ca. alle sechs Wochen zum Tierarzt. Wegen einer akuten Lebererkrankung musste sein Schnabel regelmäßig gekürzt werden, der sonst immer weiter gewachsen wäre. Zwar wachsen Schnabelhorn und Krallen auch bei gesunden Wellensittichen immer wieder nach, nutzen sich in der Regel aber schneller ab als sie nachwachsen.
Meine Erfahrung: Schnabelwachstum und Übergewicht
Vermutlich hatte das übermäßige Schnabelwachstum bzw. die Lebererkrankung auch mit seinem Übergewicht zu tun. Felix wog als Standard-Wellensittich über 60 Gramm und war der schwerste Vogel in meinem Schwarm.
Kein „schöner Tod“: Hepatische Enzephalopathie
Leider ist die Prognose bei Lebererkrankungen auch mit entsprechender medikamentöser Behandlung nicht besonders gut. Am Ende zeigte Felix neurologische Ausfälle wie nach einem Schlaganfall. Der kleine Vogel ist immer wieder von der Stange gefallen, hat heftig gezittert und Krampfanfälle schüttelten den kleinen Vogelkörper. Alles Anzeichen für ein akutes Leberversagen. Durch die Funktionsstörung der Leber wird auch das Gehirn geschädigt, was als hepatische Enzephalopathie bezeichnet wird.
Als ich merkte, es ging mit ihm zu Ende, habe ich Felix in die Hand genommen und ihn kurzerhand mit nach draußen genommen, um ihn zu beruhigen. Zum Glück war schönes Wetter und so sind wir durch den Garten spaziert, den er so gerne vom Fenster aus gesehen hat. Felix ist einer der wenigen Wellensittiche, die bei mir Zuhause gestorben sind. Die meisten wurden vom Tierarzt erlöst.
LIZZIE
Going-light-Syndrom: Lizzie
Besonders heimtückisch sind die Krankheiten, die mit den häufigsten und einfachsten Symptomen wie Gewichtsverlust, Appetitlosigkeit und Apathie wenig Aufmerksamkeit erregen. So blieb die Krankheit dieser Wellensittich-Henne, die leider nur fünf Jahre alt wurde, lange Zeit unentdeckt.
Die berüchtigten „Megabakterien“
Meist steckt eine bakterielle Infektion hinter dem Unwohlsein unserer Wellensittiche, weshalb nicht vogelkundige Tierärzte die Vögel gerne mit einem Breitbandantibiotikum behandeln. Bei Virusinfektionen und den von Vogelhaltern gefürchteten Macrorhabdus ornithogaster, besser bekannt als Megabakterien, hilft das allerdings gar nicht.
Wichtig zu wissen: Was sind „Megabakterien“?
Denn „Megabakterien“ sind Pilze und bewohnen die Magenwand sowohl kranker als auch gesunder Vögel. Äußerlich ist der Wellensittich gesund, erst bei Stress, Mauser oder Mangelernährung bricht die Krankheit aus. Die Symptome ähneln leider auch denen einer Kropfentzündung. Der Wellensittich kann nicht mehr richtig fressen und würgt Körner hoch. Da es sich um einen Hefepilz handelt, der den Magen befällt und verhindert, dass Nährstoffe aus der Nahrung aufgenommen werden können, hilft auch keine Behandlung mit Antibiotika.
Going-Light-Syndrom: schneller, unerklärlicher Gewichtsverlust
Besonders heimtückisch ist, dass sich akute und beschwerdefreie Phasen abwechseln. So dachten wir nach zwei Antibiotika-Behandlungen, als Lizzie wieder fressen und fliegen konnte, sie sei auf dem Weg der Besserung. Beim Kontrolltermin hatte sie immerhin wieder zwei Gramm zugenommen.
Aber innerhalb von zwei Tagen verschlechterte sich Lizzies Zustand rapide. Sie konnte nachts nicht mehr auf der Stange sitzen und fiel immer wieder wie ein Stein zu Boden. So musste sie bis zum Arzttermin im kleinen Transportkäfig übernachten. Ich dachte schon, sie würde die Nacht nicht überstehen, da sie am ganzen Körper zitterte. Ein Zeichen dafür, wie stark sie abgemagert war, denn mit dem Zittern versucht der Vogel, seine Körpertemperatur aufrechtzuerhalten.
Als ich mit Lizzie endlich zum Tierarzt konnte, war sie leider schon so geschwächt, dass eine Behandlung keinen Sinn mehr gemacht hätte. Schweren Herzens ließ ich Lizzie erlösen. Die Nacht vorher hat sich der kleine Vogel leider sehr gequält. Denn zwischenzeitlich gab es in Bonn und in der näheren Umgebung keinen tierärztlichen Notdienst mehr. Zum Glück haben sich mittlerweile wieder Bonner Tierärzte für den Notdienst zusammengeschlossen.
MORITZ
Häufigster Tumor bei Hähnen: Der Hodentumor
Wellensittiche sind leider ähnlich stark überzüchtet wie Hunde. Heimvogelhalter neigen außerdem dazu, die Vögel zu überfüttern. Beides Gründe, warum Lipome (gutartige Tumoren) und Tumorerkrankungen die häufigste Todesursache bei Wellensittichen sind. So habe ich auch diesen blauen Wellensittich-Hahn wie zuvor Mara an einen Hodentumor verloren.
Erste Warnzeichen
Der kleine Wellihahn hatte immer Probleme mit einem seiner Beinchen. Das rechte Bein hielt Moritz immer in Schonhaltung, und konnte damit auch nicht richtig auftreten. Daher habe ich den Wellensittich röntgen lassen. Anstelle des vermuteten Beinbruchs stellte der Tierarzt jedoch einen Hodentumor fest.
Meine Erfahrung: Schonhaltung als Warnsignal
Oftmals denken wir bei einem humpelnden oder das Bein schonenden Vogel an eine Verstauchung oder einen Bruch. Aber gerade bei Hähnen kann eine ständige Schonhaltung eines Beines ein wichtiges Indiz für einen Hodentumor sein, der von innen auf die Nerven drückt. Ein Röntgenbild beim Tierarzt bringt hier schnell Klarheit!
Keine OP bei inneren Tumoren
Die chronische Erkrankung konnte der Tierarzt nicht heilen, denn Hodentumore können bei Wellensittichen nicht operiert werden, dafür konnte jedoch eine sekundäre Erkrankung geheilt und sein Immunsystem gestärkt werden. Nach einem halben Jahr musste ich mich dann doch entscheiden, entweder zusehen wie der Wellensittich immer mehr abbaut und schließlich verhungert, weil der Hodentumor ihn auszehrte oder ihn endlich von seinem Leid erlösen. Moritz wurde leider – wie viele meiner Wellis – nur fünf Jahre alt.
FEE
Versteckter Gewichtsverlust
Besonders gut können die kleinen Federbälle einen großen Gewichtsverlust verbergen. Wenn der Vogel nicht zufällig eine Gefiederstörung hat oder ein Federrupfer ist, bleiben auch drastische Veränderungen unentdeckt. Das dichte Gefieder und die Angewohnheit kranker Tiere ihr Gefieder „aufzuplustern“, machen eine regelmäßige Gewichtskontrolle mit der Waage unumgänglich.
Wenige Gramm machen den Unterschied
Veränderungen um wenige Gramm nach unten, aber auch nach oben können ein erstes Anzeichen ernster Erkrankungen sein. Auch Umfangsvermehrungen wie Tumore lassen sich oftmals von den Vögeln unter ihrem Federkleid verstecken. So war es auch bei dieser hübschen Wellihenne mit den hellgrauen Flügeln, die leider nur sechs Jahre alt wurde. Fee war am Ende einfach schon zu stark geschwächt, um noch erfolgreich behandelt zu werden.
Meine Erfahrung: Den Vogel abtasten
Außerdem könnt ihr neben der Gewichtskontrolle beim Einfangen auch selbst eine kleine Untersuchung vornehmen. Ist das Brustbein leicht zu fühlen und relativ spitz mit wenig Muskelmasse darüber, solltet ihr keine Zeit mehr verlieren. Der todkranke Vogel muss sofort zum Tierarzt!
Nur wenige Gramm können den Unterschied zwischen einer erfolgreichen und erfolglosen Behandlung ausmachen.
LILY
Kein guter Start
Dieser sonnengelbe Wellensittich hat dafür, dass er im Alter schwerkrank wurde, lange durchgehalten. Lily kam im März 2012 zu uns und ist kurz bevor sie zehn Jahre alt wurde gestorben.
Anfangs machte Lily leider nicht den Eindruck, als würde sie einer meiner ältesten Wellis werden. Den Altersrekord hält übrigens meine Henne Nina, die doppelt so alt wurde wie Lily. Mit ihren fast zwanzig Jahren hat sie zwei Umzüge miterlebt und ist mit mir erwachsen geworden. Aber zurück zu Lily, die von Anfang an ein Sorgenvogel war. Denn kurz nach dem Kauf entdeckten wir, dass der Vogel ein Ekzem an der Wange entwickelt hatte.
Wir brachten es nicht übers Herz, den Vogel beim Verkäufer zu lassen. Angeblich wollte der sich um den Vogel kümmern und wir könnten ihn später wieder abholen. Aber als ich sah, wie er den armen Vogel samt Käfig in einen Abstellraum verfrachtete – das war übrigens der letzte Vogelkauf dort –, nahm ich Lily kurzerhand wieder mit und ließ sie auf eigene Kosten beim Tierarzt behandeln.
Meine Erfahrung: Eingewachsene Fußringe bei Übergewicht
Einige Jahre später bekam Lily Probleme mit ihrem Fußring. Da die Vögel heute meist nicht mehr beringt werden, ist das seltener ein Problem. Aber bei zu viel Übergewicht kann der Ring in den Fuß schneiden. Wie bei meiner Lutino-Henne Lily. Im schlimmsten Fall kann das dazu führen, dass der Fuß amputiert werden muss. Wenn der Ring zu stark eingewachsen ist, behindert er den Blutfluss in den Beinen. Zum Glück habe ich es früh genug bemerkt und Lily wurde nur der Ring entfernt.
Atemprobleme nicht unterschätzen
Da Lily wie alle Hennen von ihrem Partner gefüttert wurde und dadurch ein stattliches Übergewicht entwickelt hatte – sie wog als Hansi-Bubi um die 60 Gramm –, habe ich mir nichts dabei gedacht, wenn die Henne Probleme beim Fliegen hatte. Auch die Luftnot nach Anstrengung schob ich auf das Übergewicht. Als die Atemgeräusche aber auch nachts und in Ruhe auftraten, wurde ich misstrauisch und bin zum Tierarzt mit ihr gefahren. Ich hatte mit dem Schlimmsten gerechnet, dass der Vogel wegen eines Tumors eingeschläfert werden musste. Aber nach dem Röntgen der Lunge stellte der vogelkundige Tierarzt eine für mich überraschende Diagnose.
Aspergillose – Pilze in der Lunge
Tatsächlich hatte der Wellensittich ein Pilzgeflecht in der Lunge – genauer: Schimmelpilze der Gattung Aspergillus. Daher kommt auch der ungewöhnliche Name dieser Lungenkrankheit. An Aspergillose können übrigens auch Menschen erkranken. Es treten ähnliche Symptome wie bei der berüchtigten Vogelhalterlunge auf: Reizhusten, Atemnot bei Anstrengung, Fieber und Schüttelfrost. Wobei das natürlich auch wieder alles Grippe- und Erkältungssymptome sein können.
Leider musste ich erfahren, dass die Krankheit bei meiner Lily schon weit fortgeschritten war und sie nur noch sehr wenig Lungenvolumen hatte. Beide Funktionsstörungen der Lunge, die Vogelhalterlunge und die Pilzinfektion, sind äußerst selten und leider nicht heilbar. Denn die Schäden an der Lunge können nicht rückgängig gemacht werden. So blieb bei Lily nur die Linderung der Symptome, um die Lebensqualität zu verbessern.
Inhalation für Wellensittiche
Die trockene Heizungsluft in den Wintermonaten setzt der Vogellunge ebenfalls zu. Denn die meisten Heimvögel bevorzugen eine hohe Luftfeuchtigkeit. So riet der Tierarzt mir, den Vogel in der kalten Jahreszeit ein spezielles Medikament inhalieren zu lassen. Leider ist es nicht ganz ungefährlich und greift die Organe an, deshalb sei es gut, in den Sommermonaten zu pausieren. Einen ausführlichen Bericht findet ihr auf meiner Seite zur Aspergillose.
Tatsächlich hatte das Inhalieren eine große Wirkung. Bei einem der nächsten Kontrolltermine stellte der Tierarzt nach dem Röntgen fest, dass der Pilz in Lilys Lunge geschrumpft war. Obwohl Lily fast zwei Jahre lang immer wieder Anfälle hatte und inhalieren musste, hielt der kleine Vogel tapfer durch. Als jedoch ihr letzter langjähriger Partner Mara starb, hat auch Lily schließlich immer mehr abgebaut. Letztendlich wird die tapfere Wellihenne an Altersschwäche gestorben sein.
MARA
Hodentumor: Mara
Der hübsche Rainbow-Wellensittich war einer der wenigen Vögel, die immer kerngesund waren. Deswegen hatte ich auch lange mit mir gerungen, ob ich ihn wirklich einschläfern lassen sollte. Leider sind Hodentumore und andere innere Tumore, die sehr schnell wachsen, nicht operabel. Eine Operation im Bauchraum wäre zu riskant und wenig erfolgversprechend. Daher waren die Heilungschancen nach der Diagnose extrem schlecht. Ich musste damit rechnen, dass jeder Tag Maras Letzter sein könnte.
Erste Hinweise auf einen Hodentumor
Lange vor dieser niederschmetternden Diagnose hatte Mara Probleme mit seinem Fuß.
Meine Erfahrung: Warnzeichen Fußlähmung und Wachshaut-Verfärbung
Heute weiß ich, dass das Stolpern und die teilweise Lähmung eines oder beider Füße ein erstes Warnzeichen für einen Tumor im Bauchraum sein können. Denn die Umfangsvermehrung im Vogelkörper drückt auf die Nerven im Bein.
Die Veränderung der Farbe der Wachshaut war ein weiterer Hinweis. Wenn sich bei erwachsenen Männchen die Wachshaut rosa-braun oder sogar schwarz verfärbt, ist das ein Zeichen für zu viele weibliche Hormone im Körper des Hahns. Im Zusammenhang mit dem gelähmten Fuß ein sicherer Hinweis auf einen Hodentumor.
Sekundärinfektionen sind ein Problem
Wie menschliche Krebspatienten sind auch Wellensittiche anfälliger für Sekundärinfektionen. Denn das Immunsystem der kleinen Vögel ist gestört. Als Mara anfing Körner hochzuwürgen, dachte ich deshalb direkt an eine Infektion und hoffte, die Kropfentzündung wäre noch behandelbar. Der Tierarzt gab Mara noch eine letzte Chance. Aber als zwei Antibiotika-Therapien fehlschlugen und auch alle Labortests negativ zurückkamen, musste ich mich damit abfinden, dass wohl der Tumor die Ursache für seine gestörte Verdauung war. Und schweren Herzens ließ ich Mara von seinem Leid erlösen.
Überzüchtung bringt geringe Lebenserwartung
Mara ist nur sieben Jahre alt geworden. Das entspricht leider mittlerweile der zu erwartenden Lebenserwartung. Denn im Schnitt werden gezüchtete Wellensittiche fünf bis neun Jahre alt. Mara hat bis zuletzt tapfer gekämpft. Wie beim Menschen mit Krebserkrankungen war es schwer mitanzusehen, wie der Wellihahn immer mehr an Gewicht verlor und nur noch geschlafen und gefressen hat.
Wann sollten wir unsere Vögel erlösen?
Es fällt mir, wie auch vielen anderen Tierhaltern, immer schwer zu entscheiden, wann man ein Tier erlösen sollte. Für viele ist schon die schlechte Prognose und eine unheilbare Krankheit ein Kriterium. Ich orientiere mich – wie auch mein Tierarzt – eher an der Lebensqualität. Wenn der Vogel nur noch unter seiner Krankheit leidet und nicht mehr am Schwarmleben teilnehmen kann, ist es für mich an der Zeit den Vogel zu erlösen. Unter den Fragen, die man sich vor einem Tierarztbesuch stellen sollte, habe ich euch bei Punkt acht eine kleine Liste zusammengestellt, wie ihr erkennt, wann ihr euren Vogel besser erlösen solltet.
FLO
Neurologische Ausfälle & Krämpfe
Leider konnte ich diesem hübschen Wellensittich-Hahn nicht mehr helfen. Als letzte Option blieb für Flo nach nur fünf Jahren bei uns, ihn durch den Tierarzt von seinen Schmerzen erlösen zu lassen. Denn sein Zustand hatte sich rapide verschlechtert.
Notfall am Wochenende
Natürlich musste ich auch wieder am Wochenende den Notdienst in Anspruch nehmen. Der kleine Wellihahn ist plötzlich wie ein Stein zu Boden gefallen und hatte fürchterliche Krämpfe. Selbst der diensthabende Tierarzt war geschockt von Flos Zustand. Ich hatte zuerst eine Vergiftung vermutet, obwohl ich nicht wusste, woran er sich vergiftet haben könnte. Da ich weder bleihaltige Tiffany-Lampen noch Gardinen mit Bleigewichten im Wohnzimmer habe. Auch der Tierarzt meinte, eine Vergiftung käme bei Vögeln heutzutage seltener vor.
Meine Erfahrung: Nachtschreck vs. Epilepsie
Da der Anfall wie bei Epilepsie so plötzlich kam und der kleine Vogel nicht einmal mehr wusste, wo oben oder unten war, nehme ich an, dass Flo einen Schlaganfall gehabt haben muss. Es kann natürlich auch passieren, dass ein Vogel bei einem Nachtschreck gegen die Scheibe fliegt. Ein epileptischer Anfall wäre hingegen sicherlich schon vorher einmal aufgetreten.
Einschläfern als letzte Option
Was es auch war, das Resultat war das gleiche: Als sich Flos Zustand auch nach mehreren Stunden nicht besserte, blieb dem Tierarzt keine andere Wahl. Er gab dem Wellensittich, der sich offensichtlich quälte, ein Narkosemittel und ließ ihn friedlich einschlafen.
BENJAMIN
Wellensittiche neigen zu Tumoren
Dieser hübsche Standard-Wellensittich ist leider nur fünf Jahre alt geworden. Der Wellihahn hatte – wie viele meiner Wellis – einen großen, inoperablen Bauchtumor. Anders als äußere Tumorerkrankungen können innere Tumoren bei den kleinen Vögeln nicht erfolgversprechend operiert werden. Die Tumor-OP im Inneren des Vogelkörpers ist so riskant, weil der Krebstumor mit den inneren Organen verwachsen ist. Also lässt sich der Tumor nicht entfernen, ohne diese Organe zu verletzen.
Ein schlechter Start
Ähnlich wie Lily entdeckten wir bei Benjamin schnell ein Problem: Benjamin konnte nicht fliegen. Benjamin kam als letztes Schwarmmitglied noch direkt von einem Wellensittich-Züchter. Allerdings war der Vogel in einem erstaunlich schlechten Zustand. Dieser Züchter hatte den Kleinen zu früh von seinen Eltern getrennt und ihn in einen viel zu engen Käfig gesperrt, so dass der Vogel wegen einer unterentwickelten Brustmuskulatur noch nicht einmal fliegen konnte.
Ein ganz besonderer Welli mit Handicap
Wir haben ihn mithilfe einer sehr engagierten Tierärztin aufgepäppelt und so ist „Marzipan“, wie ich ihn liebevoll getauft habe, uns besonders ans Herz gewachsen. Der kleine Vogel war wegen seiner Behinderung anfangs besonders zahm. Marzipan ist bisher der einzige meiner Vögel, der regelmäßig auf meinem Finger Platz genommen hat. Das änderte sich erst als der Rainbow-Wellensittich nach viel Training endlich fliegen konnte.
Wichtig zu wissen: Farbe vs. Gesundheit
Auch die Züchtung auf besondere Farbschläge ist häufig an einer allzu geringen Lebenserwartung schuld. Hellflügel, Spangle, Rainbow und andere besondere Farbschläge entstehen durch Inzucht. Das bringt zwar die schönen Pastellfarben hervor, schadet aber dem Immunsystem der Vögel und sorgt nicht selten für Gendefekte. So dass die Tiere häufiger an Tumoren erkranken, wie Benjamin.
MUCKINE
Meisterin im Verschleppen von Krankheiten
Bis heute kann ich nur vermuten, woran Muckine letztendlich gestorben ist. Vermutlich, wie so viele Wellensittiche, ist die Henne an einer verschleppten Infektion gestorben. Beim Tierarzt werden Wellensittiche häufig als „symptomarm" bezeichnet. Denn ihre Überlebensstrategie als Beutetiere beinhaltet, Krankheiten so lange wie möglich zu verbergen – damit die Vögel weder vom Schwarm zurückgelassen noch vom Beutegreifer als leichte Beute identifiziert werden. Außerdem zeigen die Wellis oft die gleichen Symptome bei unterschiedlichen Krankheiten. Würgen, Gewichtsverlust, Appetitlosigkeit und ein hohes Schlafbedürfnis sind die häufigsten Gründe, warum Wellensittiche beim Tierarzt vorgestellt werden.
Schwierige Diagnose-
findung bei Wellis
Dieses angeborene Verhalten bringt für den Tierarzt zwei Probleme mit sich. Erstens ist die Krankheit meist schon weit fortgeschritten, bevor der Vogelhalter das kranke Tier zum Arzt bringt. Da die Vögel einen schnellen Stoffwechsel haben und extrem schnell abmagern, ist der Zeitfaktor essenziell für eine erfolgreiche Behandlung. Also zögert nicht – bei jeder noch so kleinen Auffälligkeit direkt zum Tierarzt zu fahren. Lieber seht ihr den Tierarzt einmal zu viel als zu wenig. Zweitens ist es selbst für den vogelkundigen Tierarzt extrem schwierig, die richtige Diagnose zu stellen. Kotuntersuchungen und Kropfabstriche bringen nicht immer Klarheit darüber, was dem Wellensittich eigentlich fehlt.
Meine Erfahrung: Breitbandantibiotika und das Beste hoffen
Häufig bleibt nur die Behandlung der Infektion mit einem Breitbandantibiotikum, während man auf die Laborergebnisse wartet, um nicht noch mehr Zeit zu verlieren. Leider habe ich dann häufig erlebt, dass die Laborbefunde negativ oder nicht eindeutig waren. Im besten Fall wirkt das Antibiotikum und der Vogel bekommt beim zweiten oder dritten Termin seine letzte Dosis. Bei Muckine trat aber wie viel zu oft der schlimmste Fall ein. Die kleine Henne hat während der Behandlung extrem schnell abgebaut. Und nach einem Tag – bevor ich einen Notfalltermin beim Tierarzt ausmachen konnte – hatte ich die Henne schon leblos auf einem Regal gefunden. Letztendlich wird Muckine an Erschöpfung gestorben sein. Der kleine Vogelkörper hat den Kampf mit der Krankheit und das Untergewicht einfach nicht mehr verkraftet.
WOLKE
Gefürchteter Wellensittich-Killer: Megabakterien
Diese hübsche Schecke ist leider auch nicht sehr alt geworden. Vermutlich ein Fall von bakterieller Infektion und/oder Macrorhabdus ornithogaster (Megabakterien). Denn die Megabakterien sind Pilze, die im Darm der Wellensittiche vorkommen. Erst wenn eine andere Krankheit oder ein Infekt die Vögel schwächt, nehmen die Pilze zu und stören die Verdauung.
Entscheidend für die Krankheitsvorsorge: die richtige Hygiene
Der Fall von Wolke zeigt, wie wichtig Hygiene und das tägliche Wechseln des Trinkwassers ist. Wellensittiche brauchen kein besonderes Wasser – sie können wie wir Leitungswasser trinken. Allerdings werden durch abgestandenes Trinkwasser viele Krankheitserreger und Parasiten wie Trichomonaden übertragen. Am besten nutzt ihr zwei Garnituren, die ihr täglich wechseln könnt. Tagsüber kann der gespülte Wassernapf dann trocknen – denn die Trichos können nicht lange im Trockenen überleben.
Ein großes Problem bei
Partnervögeln: die gegen-
seitige Ansteckung
Ob Megabakterien oder bakterielle Infektion – das Problem bei den meisten eher harmlosen und gut zu behandelnden Vogelkrankheiten ist die Ansteckung. Viele meiner Wellis sind nacheinander gestorben, weil sie sich schon vor der Quarantäne gegenseitig angesteckt hatten. Besonders das Füttern des Partnervogels bietet Kropfentzündung und Co. die beste Gelegenheit, sich im ganzen Schwarm auszubreiten. Gerade kranke Vögel werden von ihrem Partner gefüttert – eine schöne Unterstützung, mit der sich der Partnervogel aber der Gefahr aussetzt, selbst krank zu werden.
Wichtig zu wissen: Wie entscheidend ein vogelkundiger Tierarzt ist
Viele Tierärzte, die nicht auf Vögel spezialisiert sind, starten meist ohne Kropfabstrich oder Kotuntersuchung direkt mit einem Breitbandantibiotikum. Sie machen wenn überhaupt erst beim Folgetermin einen Labortest – und verschenken damit kostbare Zeit, die der Vogel für seine Genesung braucht. Außerdem hilft bei Viruserkrankungen und Pilzinfektionen wie den Megabakterien keine Antibiotika-Therapie. Nur eine gezielte Behandlung mit den richtigen Medikamenten hätte Wolke vielleicht noch gerettet.
LEMON
Nicht jeder eignet sich als Vogelhalter
Dieser kleine hellgrüne Wellensittich ist ein Beispiel dafür, wie unerfahrene Heimtierhalter ihre Haustiere gefährden können. Unser Nachbar brachte die Henne zusammen mit einem Wellihahn zu uns – mittlerweile hat sich herumgesprochen, dass ich einen kleinen Vogelschwarm halte. Es schien, als wäre der Nachbar mit der Vogelhaltung etwas überfordert. Er berichtete, dass die beiden Vögel an allem in seiner Wohnung knabbern würden, und transportierte beide in einem Riesenkarton zu uns.
Verdauungsprobleme
können tödlich enden
Seine Erzählungen hätten mich hellhörig machen müssen. Denn die kleine Henne hatte sich beim Knabbern an der Tapete vermutlich selbst vergiftet. Tapete und Kleister haben der Verdauung des Vogels auf Dauer geschadet. Es ist aber auch möglich, dass der Wellensittich von Anfang an krank war. Der Nachbar hatte ein erstes Krankheitsanzeichen nicht richtig gedeutet: Der Vogel schlief viel und war wenig aktiv. Als wir Lemon – die wir liebevoll Krümmel nannten – beim Tierarzt vorstellten, war es leider schon zu spät. Sie konnte nur noch vom Tierarzt erlöst werden.
Meine Erfahrung: Wenn der Partnervogel nicht in den Schwarm passt
Wenig Glück hatten wir auch mit Lemons Partnervogel Max. Dem Wellihahn geht es gesundheitlich super, aber wir mussten ihn leider abgeben. Max hat sich gar nicht mit den anderen Wellensittichen vertragen und den ganzen Schwarm immer wieder durch die Gegend gejagt. Möglicherweise war sein aggressives Verhalten auch eine Reaktion auf den Verlust seiner Partnerin – die anderen Schwarmkollegen kannte er ja noch nicht besonders gut. Genau lässt sich das aber nicht sagen.
BELLA II.
Schlaganfall bei Wellensittichen
Dieser weiße Wellensittich lebte leider auch nur wenige Jahre bei uns. Wir gingen immer davon aus, dass der Albino eine Wellensittich-Henne ist, bis uns der Tierarzt aufgeklärt hat. Bellas Wachshaut ist zwar rosa, aber er ist trotzdem ein Wellihahn. Bei Hennen ist die Wachshaut zwar rosa-braun, aber auch verkrustet. Bei Männchen ist sie glatt und in der Regel blau – kann aber auch rosa sein, was bei Lutinos und Albinos der Fall ist.
Unspezifische Krankheitssymptome
Bella zeigte, wie viele Wellensittiche, leider nur sehr unspezifische Symptome. Zu der Zeit waren wir bei Doktor Schwarz, einem sehr guten Tierarzt für Katzen und Hunde – leider ohne einen Kollegen mit speziellem Fachwissen zu Ziervögeln. Wir haben Bella auf alles testen und mit Antibiotika behandeln lassen, aber weder Dr. Schwarz noch seine Kollegin, die für Kleintiere zuständig war, konnte herausfinden, was dem Wellihahn fehlte. Bella verlor immer mehr an Gewicht und wog zuletzt nur noch ca. 30 Gramm.
Meine Erfahrung: Schlaganfall beendet erfolglose Behandlung
Kurz vor seinem Tod scheint Bella eine Art Schlaganfall bekommen zu haben. In seinen letzten Stunden hing der Wellihahn nur noch auf der Seite und verdrehte den Kopf eigenartig. Selbst dieser Schlaganfall hätte noch mit Kortison und Vitamin-B-Komplex von einem auf Vögel spezialisierten Tierarzt behandelt werden können – dafür war es aber zu spät. Am nächsten Morgen fanden wir Bella bewusstlos vor. Der Wellensittich war in der Nacht auf einen niedrigeren Sitzplatz heruntergefallen und gestorben.
KRÜMMEL
Zu spät zum Tierarzt
Diese Wellensittich-Henne lebte leider nur vier Jahre bei uns. Wie alle jungen Hennen war Krümmel sehr frech und hat bis zuletzt eifrig an ihrem Lieblingsspielzeug, einem Holzhaus, geknabbert. Deshalb bemerkten wir zu spät, dass der Vogel ernsthaft krank war. Bevor wir den Wellensittich zum Tierarzt bringen konnten, verstarb Krümmel – höchstwahrscheinlich an einer unbehandelten Infektion, wie so viele meiner Wellensittiche aus der Anfangszeit meiner Vogelhaltung.
Wichtig zu wissen: Auf kleinste Verhaltensänderungen achten
Deswegen solltet ihr auch bei Husten, Atemgeräuschen oder dem Hochwürgen von Körnern keine Zeit verschwenden und sofort zum Tierarzt fahren. Selbst kleinste Auffälligkeiten im Verhalten – wie ein größeres Schlafbedürfnis außerhalb der Mauser oder ein mangelndes Interesse am Partnervogel – können erste Anzeichen einer ernsthaften Erkrankung sein. Wellensittiche verbergen Krankheiten bis zuletzt und geben sich völlig normal. Die meisten meiner todkranken Wellis haben bis zuletzt gespielt und so getan als würden sie ganz normal fressen.
TOMMY
Wie gefährlich Übergewicht ist
Dieser Standardwellensittich lebte nur etwas mehr als ein Jahr in unserem Schwarm. Standard-Wellensittiche sind größer als die der Wildform näher stehenden Hansi-Bubi-Wellensittiche – man erkennt sie an ihrem charakteristischen eckigen Kopf. Leider sind die größeren Standard-Wellensittiche besonders anfällig für Übergewicht. Im Gegensatz zu den 30 bis 40 Gramm der Hansi-Bubis bringt ein Standard-Wellensittich 50 Gramm auf die Waage.
Tommy war keine Ausnahme. Er liebte die fettreichen roten Körnchen der Kolbenhirse. Vermutlich konnte seine Leber die fettreiche Nahrung am Ende nicht mehr verarbeiten. Höchstwahrscheinlich hat Tommy auch ein Lipom entwickelt – seine rechte Brust war stets ein wenig größer als die linke.
Wichtig zu wissen: Risiko Adipositas und einseitige Ernährung
Wie beim Menschen schadet Adipositas (krankhaftes Übergewicht) auf Dauer der Gesundheit. Eine Fettleber ist nicht selten die Folge. Allerdings solltet ihr die kleinen Vögel wegen ihres schnellen Stoffwechsels niemals auf Diät setzen. Setzt lieber auf eine gesunde und abwechslungsreiche Ernährung mit viel Obst und Gemüse – das hilft auch dabei, Nährstoffmangel vorzubeugen, der das Immunsystem der Vögel schwächt und sie anfälliger für Infektionen macht.
NICKY
Federrupfer
Ein weiterer Sorgenfall in unserem Schwarm war der Wellihahn Nicky. Leider muss ich zugeben, dass mir als unerfahrener Vogelhalterin damals ein schwerer Fehler unterlief. Ich erlaubte dem sehr dominanten Wellihahn oft, von meinem Teller zu fressen. Nicky liebte Tomatensauce – die aus zwei Gründen absolut tabu für Wellensittiche sein sollte.
Wellis niemals vom Teller fressen lassen!
Zum einen stehen Tomaten im Verdacht, Tumoren zu begünstigen, und stark gewürzte Speisen wie Soßen sind generell schädlich für Tiere. Besonders Salz kann zu schweren Vergiftungen führen. Anfangs schien Nicky dennoch völlig gesund zu sein – bis wir bemerkten, dass er sich oft juckte und an seinem Gefieder rupfte, ohne sich zu putzen. Als schließlich kahle Stellen entstanden, wusste ich: Mit Nicky stimmt etwas nicht.
Wichtig zu wissen: Wie man Federrupfer erkennt
Das seltene Problem des Federrupfens habe ich ausführlich auf einer eigenen Seite beschrieben. Hier nur so viel: Vögel mit Gefiederstörungen haben meist ein struppiges Gefieder, und bei Federrupfern fehlen die Federn an ganz bestimmten Stellen – eben überall dort, wo der Vogel sich die Federn ohne große Mühe ausreißen kann: an der Brust, den Beinen und unter den Flügeln. Manche Federrupfer haben am Schluss nur noch an schwer erreichbaren Stellen wie Kopf und Rücken Federn stehen.
Leider nicht heilbar
Federrupfen hat meist zwei Hauptursachen, die bei Nicky vermutlich zusammenwirkten: organische oder psychologische Gründe. Echter Juckreiz könnte bei Nicky der Auslöser für das Rupfen gewesen sein, möglicherweise begünstigt durch den übermäßigen Salzkonsum oder Parasiten wie Federlinge. Als wir den Wellensittich zum Tierarzt brachten, konnte dieser keinen Parasitenbefall feststellen. Vermutlich war das Verhalten am Ende eine Reaktion auf den Verlust seines langjährigen Partnervogels.
Langer Leidensweg
Im letzten halben Jahr kämpfte der Wellihahn leider schwer. Trotz diverser Besuche beim Tierarzt und aller Versuche, ihn wieder aufzupäppeln, starb Nicky im Alter von ca. acht bis neun Jahren. Am Ende hatte sich der Wellensittich fast sein gesamtes Gefieder ausgerissen und wog nur noch 39 Gramm.
MUCKI
Französische Mauser & Bauchtumor
Trotz schwerster Erkrankungen und Behinderungen zeigte sich dieser grüne Wellensittich-Hahn besonders tapfer. Französische Mauser und das „Mobbing" seiner Schwarmkollegen ertrug Mucki ohne Klagen – und war dennoch einer meiner eifrigsten Sänger. Mucki lebte seit 2008 bei uns und wurde sieben bis acht Jahre alt. Leider konnte er in seinen letzten Wochen nicht mehr am Schwarmleben teilnehmen. Wir mussten ihn von den anderen Wellensittichen isolieren, denn der kleine flugunfähige Vogel war ein Ziel häufiger Attacken.
Wichtig zu wissen: Die „Rennerkrankheit" auch bekannt als „Französische Mauser"
Etwa ein halbes Jahr vor seinem Tod fielen Mucki plötzlich alle Schwungfedern aus und wuchsen nicht mehr nach, was ihn flugunfähig machte. Die „französische" Mauser oder „Rennerkrankheit" wird durch das Polyomavirus ausgelöst. Da erwachsene Vögel zwar Träger des Virus sein können, sich aber nicht neu anstecken, blieb Mucki zunächst im Schwarm. Wir haben ihm mit einer Spirale eine Aufstiegshilfe gebaut, so dass der flugunfähige Vogel vom Boden auf die Voliere klettern konnte. Eine Korkröhre neben dem Baumwollseil diente ihm ebenfalls als Kletterhilfe. Als Mucki jedoch immer mehr Federn verlor, wurde er von den anderen Wellensittichen immer wieder gepickt und heruntergeworfen. Aus Sicherheitsgründen mussten wir ihn von da an separat im Käfig halten.
Letzte schwerwiegende Komplikation
Nach einem schweren Sturz im Käfig entdeckten wir dann auch noch einen großen Tumor. Wir konsultierten zwei Tierärzte und entschieden uns schweren Herzens, Mucki von seinem Leid zu erlösen. Der tapfere kleine Hahn wog nur noch 36 Gramm. Eine Tumor-Operation hätte er höchstwahrscheinlich nicht überlebt.
BENNY
Letzte Hoffnung: stationäre Aufnahme
Benny lebte nur zwei Jahre bei uns. Dieser Wellensittich-Hahn war von Anfang an sehr schlank, ruhig und eher ein Einzelgänger. Leider ist ihm seine schlanke Statur zum Verhängnis geworden. Als beide – Benny und sein Freund Tommy, mit dem er immer Nachläufchen in der Variante „Nachfliegen" gespielt hatte – an einer Kropfentzündung erkrankten, erholte sich der dicke Tommy schnell wieder.
Meine Erfahrung: Zu schwach für eine erfolgreiche Behandlung
Benny war bereits so geschwächt und abgemagert, dass er selbst nicht mehr genügend Nahrung aufnehmen konnte. Der Tierarzt nahm ihn daraufhin stationär auf und versuchte, den Vogel durch künstliche Ernährung wieder zu Kräften zu bringen. Doch weder Antibiotika noch die Fütterung via Sonde konnten Benny helfen. Wir mussten uns entscheiden, den Vogel von seinem Leid zu erlösen – das Füttern über eine Kropfsonde stellt auf Dauer keine lebenswerte Lösung dar.
BELLA
Der Unterschied zwischen Tumor und Lipom
Auch Bella hat uns leider viel zu früh verlassen. Der hübsche Albino-Wellensittich hat nur drei Jahre bei uns gelebt. Wie viele Hennen, die von ihrem Partner gefüttert werden, hatte auch Bella immer mit starkem Übergewicht zu kämpfen. Der Hansi-Bubi-Wellensittich wog zuletzt stolze 62 Gramm – zum Vergleich: 30 bis 40 Gramm sind normal für diese Wellensittiche, die der Wildform aus Australien am nächsten kommen. Es war daher nicht überraschend, dass der Tierarzt bei Bella ein Lipom oder Fettgeschwür diagnostizierte.
Wichtig zu wissen: Harmloses Lipom oder bösartiger Tumor?
Leider sind Lipome bei Wellensittichen recht häufig. Übergewicht und eine übermäßige, einseitige Nahrungsaufnahme begünstigen die Entstehung dieser gutartigen Tumoren. Im Gegensatz zu bösartigen Krebstumoren können Wellensittiche mit Lipomen oft ein langes Leben führen. Allerdings können Lipome gefährlich werden, wenn sie zu stark wachsen – in solchen Fällen verdrängen sie wichtige Organe und beeinträchtigen den Stoffwechsel, genauso wie bösartige Krebstumoren. Bei Bella drückte das Lipom auf ihre Lunge und führte wahrscheinlich zu dem Kreislaufkollaps, der beim Tierarzt auftrat.
LARA
Metallvergiftung
Dieser kleine Vogel war leider nur zwei Tage bei uns. Am ersten Tag war er noch munter und aktiv, aber am zweiten Tag saß Lara nur noch herum und schlief. Als sie dann auch noch einen starken gelblich-braunen Durchfall bekam, sind wir sofort mit ihr zum Tierarzt gefahren – als wir dort ankamen, war Lara aber bereits tot. Vermutlich hatte der Wellensittich einen schweren Organschaden, wahrscheinlich an der Leber. Gelblich-brauner Kot deutet häufig auf eine Schädigung der Leber hin. Ihr findet bei meinen Tipps zur Vogelgesundheit auch Informationen dazu, wie krankhaft veränderter Kot aussieht und auf welche Krankheiten er Hinweise geben kann.
Wichtig zu wissen: Gefahr durch Metallvergiftungen bei Vögeln
Der Wellensittich war wahrscheinlich schon länger krank. Als ich ihn in die Hand nahm, war er völlig abgemagert, obwohl er den ersten Tag bei uns fast ununterbrochen gefressen hatte – die Vergiftung hatte seinen Stoffwechsel erheblich beeinträchtigt. Ich vermute, der Vogel wurde in einem falschen Käfig gehalten. Wenn Vögel an verzinkten Käfigstangen knabbern, kann es zu einer Metallvergiftung kommen. Auch bleihaltige Tiffany-Lampen und Gardinen mit Metallröllchen stellen eine Gefahr dar. Vogelspielzeug sollte daher ausschließlich unverzinkte Verbindungen aus Edelstahl enthalten.
LAURA
Luftsackmilben oder Lungentumor?
Trotz zweier schwerer Erkrankungen hat Laura bemerkenswert lange durchgehalten. Für einen Vogel mit einem Tumor hat die Welli-Henne ein beeindruckendes Alter von acht Jahren erreicht. Wir dachten zunächst, dass sie sich Luftsackmilben eingefangen hätte – denn das Atmen fiel ihr schwer, sie hatte piepsende Atemgeräusche und die Symptome schienen nachts schlimmer zu werden, da Milben nachtaktiv sind. Allerdings kommen Luftsackmilben bei Wellensittichen äußerst selten vor; eher Finken und Kanarienvögel sind von diesen Parasiten betroffen.
Trichos, Milben oder ein Tumor?
Häufiger sind Trichomonaden die Ursache für Atemnot und fiepsende Geräusche bei Wellensittichen. Beide Parasiten werden über infiziertes Trinkwasser oder von Vogel zu Vogel übertragen. Anfangs konnte Laura erfolgreich behandelt werden. Später stellte sich leider heraus, dass der Parasitenbefall nur eine sekundäre Erkrankung gewesen war. Die Wellihenne konnte kaum noch fliegen und hatte auch nach kurzer Anstrengung Atemgeräusche. Der Tierarzt fühlte schließlich einen Tumor an der Lunge.
Meine Erfahrung: Palliative Krebstherapie
Da eine Operation bei inneren Tumoren wenig erfolgversprechend ist, entschieden wir uns gegen eine OP und standen vor der Wahl zwischen Euthanasie und palliativer Schmerzbehandlung. In der Folgezeit hatte Laura immer wieder Probleme mit der Atmung und fiepste, wenn sie sich bewegte oder aufgeregt war – war dennoch fit und spielte mit den anderen Vögeln im Schwarm. Erst in ihrem letzten Sommer machte Lauras Kreislauf nicht mehr mit. Als ich merkte, dass es mit ihr zu Ende ging – sie konnte kaum noch fliegen und kippte immer wieder zur Seite – nahm ich sie in die Hand. Bevor wir entscheiden konnten, zum Tierarzt zu fahren, war der Welli bereits gestorben.
GEORGE
Ungeklärte Todesursache
George ist ein weiteres Beispiel dafür, wie stark Überzüchtung die Lebenserwartung einschränken kann. Der hübsche hellgraue Wellensittich ist nur ein halbes Jahr bei uns geblieben. Schon von Anfang an schlief der junge Wellihahn viel und saß oft mit aufgeplustertem Gefieder da.
Wichtig zu wissen: Aufgeplustertes Gefieder als Warnsignal
Kranke Wellensittiche sind meistens stark abgemagert und frieren. Durch das „Aufbauschen" ihrer Federn versuchen kranke Vögel, Körperwärme zu speichern – auch gesunde Vögel nutzen diese Technik bei Kälte. Wenn die Vögel jedoch stark zittern, obwohl es im Vogelzimmer nicht kalt ist, kann dies ein Krankheitsanzeichen sein. Ruhen die Vögel zudem nie auf einem Bein, weist dies oft auf eine fortgeschrittene Krankheit hin.
Regelmäßige Gewichts-
kontrollen vermeiden
versteckten Gewichtsverlust
Damals habe ich die Wellis noch nicht regelmäßig gewogen. Als ich George einfing, stellte ich erschrocken fest, dass er völlig abgemagert war – sein Brustbein war bereits deutlich hervorgetreten. Die Kotuntersuchung brachte leider keine eindeutigen Ergebnisse. So versuchten wir es mit verschiedenen Antibiotika und gaben dem Wellihahn Vitaminlösungen und Elektrolyte über eine Pipette. Leider blieben alle Versuche, den Wellensittich zu heilen, erfolglos. George starb, ohne dass eine endgültige Diagnose gestellt werden konnte.
NINA
Ein Tumor im hohen Alter
Dieser Albino-Wellensittich hält den Altersrekord in unserem Schwarm. Nina erkrankte nur selten und erreichte ein beeindruckendes Alter von über 20 Jahren – beinahe ein Rekord fürs Guinness-Buch der Rekorde, da Wellensittiche in Gefangenschaft höchstens 10 bis 15 Jahre alt werden. Nina ist zudem die einzige Wellensittich-Henne, die bei uns jemals ein Ei gelegt hat. Ohne Nistkasten legen Wellensittiche normalerweise keine Eier, manche Hennen nutzen jedoch höhlenartige Spielzeuge und Sitzplätze als Ersatz.
Meine Erfahrung: Altersbedingte Beschwerden bei Wellensittich-Senioren
Mit zunehmendem Alter wurde Nina immer schwächer, bis sie schließlich nicht mehr fliegen konnte. Muskelschwund, Übergewicht und Arthrose können dazu führen, dass ältere Wellensittiche flugunfähig werden. Eines Tages entdeckten wir, dass die Henne stark blutete und sich an einer offenen Wunde am Unterleib zu schaffen machte. Der Tierarzt stellte fest, dass Nina an einem Unterleibtumor litt, den sie sich durch das Herumnesteln aufgerissen hatte. Er empfahl uns die Euthanasie, da sie aufgrund ihres hohen Alters eine Operation vermutlich nicht überlebt hätte.
MÄXCHEN
Breitbandantibiotikum schlägt fehl
Im Nachhinein fiel auf, dass ein erstes Krankheitsanzeichen bei diesem Wellensittich seine zunehmende Isolation von den anderen Vögeln im Schwarm war. Bald darauf schlief er fast den ganzen Tag und litt unter Durchfall – beides deutliche, jedoch leider sehr unspezifische Krankheitsanzeichen. Ein nicht auf Ziervögel spezialisierter Tierarzt gab uns ein Breitbandantibiotikum mit. Leider ließen wir den Kot erst später untersuchen, und das Ergebnis war nicht aussagekräftig genug für eine gezielte Behandlung. Trotz des Antibiotikums verschlechterte sich Mäxchens Zustand rapide – er wurde zu schwach, um auf der Stange zu sitzen. Da er bereits neurologische Ausfälle zeigte, mussten wir ihn leider einschläfern lassen.
Wichtig zu wissen: Eine gründliche Untersuchung durch einen vogelkundigen Tierarzt ist immens wichtig
Ich kann nur dringend empfehlen, sich einen vogelkundigen Tierarzt zu suchen und die Vögel gründlich untersuchen zu lassen. Laborbefunde garantieren zwar keinen Behandlungserfolg, aber sie ermöglichen dem Tierarzt, schneller die richtige Behandlung zu finden, anstatt Zeit mit der Suche nach einem geeigneten Antibiotikum zu verlieren. Bei kleinen Ziervögeln zählt jeder Tag.
CHRIS
Die Papageienkrankheit
Leider habe ich in meinen Anfängen als Vogelhalterin viele schlechte Erfahrungen mit Vogelzüchtern gesammelt. Diese Vögel sind relativ früh gestorben, während die Wellensittiche aus dem Zoogeschäft meist älter wurden. Das mag auch Zufall gewesen sein – in Chris' Fall war es das definitiv nicht.
Psittakose – eine der
gefährlichsten Vogelkrankheiten
Den kleinen gelben Welli-Hahn haben wir direkt vom Züchter geholt und es gleich bereut. Obwohl der Vogel schon vom ersten Tag an Auffälligkeiten zeigte, versicherte uns der Züchter am Telefon, er sei kerngesund. Heute weiß ich, dass der kleine Vogel typische Zeichen einer lebensbedrohlichen Krankheit zeigte: Er konnte von Anfang an nicht fressen, fiel immer wieder von der Stange und schlief sehr viel. Chris war schließlich so geschwächt, dass er nur noch auf dem Käfigboden sitzen konnte. Der Tierarzt stellte anhand einer Kotuntersuchung fest, dass es sich um die Papageienkrankheit (Psittakose) handelte. Die Symptome – Apathie, Durchfall, Atemprobleme, Appetitlosigkeit und struppiges Gefieder – sind dieselben wie bei jeder anderen bakteriellen Infektion. Deswegen wird die gefährliche Krankheit so selten diagnostiziert. Nur ein Labortest auf den Erreger Chlamydophila psittaci gibt Klarheit.
Wichtig zu wissen: Höchst ansteckend – auch für Menschen
Stutzig hätte uns machen müssen, dass der Züchter den kleinen Welli in einem Extrakäfig von den anderen Vögeln isoliert hatte. Denn die Psittakose ist hochgradig ansteckend – als einzige Vogelkrankheit auch für den Menschen gefährlich und deswegen meldepflichtig. Die Erreger finden sich im infizierten Kot der Wellensittiche, weshalb es nach einer positiven Diagnose wichtig ist, das gesamte Vogelzimmer gründlich zu reinigen und zu desinfizieren. Sollten beim Vogelhalter grippeähnliche Symptome auftreten, ist eine Behandlung mit speziellen Antibiotika ratsam. Anders als die Vogelgrippe verläuft die Ornithose nicht akut und kann zu chronischen Lungenproblemen führen.
Schlechte Chancen für Chris – und die ersten Todesfälle
Chris war bereits zu krank, um erfolgreich mit Antibiotika behandelt werden zu können. Ein weiterer Vogel, der noch keine Symptome zeigte, wurde vorsorglich behandelt und hatte sich zum Glück nicht angesteckt. Auch Chris' Bruder Mucki musste leider eingeschläfert werden – er hatte sich vermutlich schon vor der Quarantäne mit der Psittakose angesteckt. Anders als Chris zeigte er zunächst gar keine Symptome und wurde prophylaktisch mitbehandelt, bevor sich sein Zustand rapide verschlechterte. Zum Glück hatte ich damals noch keinen so großen Schwarm, und meine beiden Hennen haben sich nicht bei den Hähnen angesteckt.
MUCKI – MEIN ERSTER
Mein erster eigener Wellensittich
Meine Eltern hatten eine Tradition: Die Wellensittiche wurden immer Mucki genannt. So hieß auch mein erster Wellensittich-Hahn, der zusammen mit mir und Nina in Bonn einzog. Wir wohnten zunächst in einem Mietshaus im zweiten Stock und hatten nur dieses eine Pärchen. Umso erstaunlicher ist Muckis Geschichte – denn der kleine Vogel überlebte einen Sturz vom Balkon aus dem zweiten Stock und die Begegnung mit der Nachbarskatze. Mucki muss auf eine Hecke gestürzt sein, anders kann ich mir das nicht erklären. Und die Katze hat „nur" mit ihm gespielt, anstatt den Vogel gleich zu fressen. Seine Verletzungen heilten schnell.
Meine Erfahrung: Lungenentzündung nach dem „Ausflug"
Leider hatte der unfreiwillige Ausflug Spätfolgen. Zwar waren von der Katze keine inneren Organe verletzt worden und die oberflächlichen Wunden heilten schnell – Mucki hatte sich aber bei seinem Spaziergang durch die Gärten im kühlen Frühjahr eine Lungenentzündung eingefangen. Wir Menschen können unsere Vögel übrigens nicht mit unserer Grippe oder einer Erkältung anstecken. Allerdings kann bei einer Außenvoliere die Vogelgrippe eine Gefahr darstellen, da die Krankheit beim Kontakt mit Wildvögeln übertragen wird.